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Marktkommentar: Hoffen auf die Geldpolitik – weitere Zinssenkungen sind nötig

Kategorie: Finanzen | Eingetragen am 6. Februar 2008 um 09:21 Uhr

Nachdem vergangenen Herbst die US-Zentralbank und die Bank of England im Zuge der sich verstärkenden US-Hypothekenkrise die Leitzinsen gesenkt hatten, mussten sie sich teilweise heftige Kritik gefallen lassen. Von übertriebener und ungerechtfertigter Hilfestellung für die Banken und die Börsen war da die Rede. Diese Stimmen verstummen nun langsam angesichts der wachsenden globalen Wachstumsrisiken. Die Selbstheilungskräfte des Marktes scheinen zurzeit nicht auszureichen, stärkere Medizin trotz allfälliger Nebenwirkungen – sprich eventuelle höhere Inflation – ist angebracht. Weitere Zinssenkungen und fiskalische Massnahmen wie Steuerleichterungen für US-Haushalte und Firmen sind nötig.

In der Tat: die US-Geldpolitik ist trotz zweier Zinssenkungen im Januar 2008 um insgesamt 1.25% noch immer im Rückstand. Dies zeigt uns der Zinsmarkt an. Noch immer ist die Zinskurve zwischen dem Tagesgeldsatz und dem Zins für zweijährige Laufzeiten im unnatürlichen Zustand einer Inversion, das heisst, dass der Zins für kurze Laufzeiten höher ist als jener für lange. Will die US-Notenbank der Wirtschaft spürbar unter die Arme greifen, müssen die Leitzinsen mindestens auf 2.5%, besser auf 2% gesenkt werden, und zwar möglichst rasch. Wir haben den Eindruck, dass die US-Notenbank sich der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst ist und vor allem willens ist, die Medizin zu verabreichen. Es ist zu hoffen, dass die reichlich theoretische und realitätsfremde Diskussion, dass mit den Zinssenkungen das eigentliche Problem nicht gelöst werde, oder dass die Notenbank fälschlicherweise die Börse stütze, die US-Notenbank nicht davon abhält, ihre Aufgaben zu erfüllen. Es ist natürlich richtig, dass Zinssenkungen nicht das Problem der US Wirtschaft, nämlich die Überschuldung von Staat und Bürger, lösen können. Dennoch muss jede Institution im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen Beitrag zur Lösung des Problems liefern. Die Situation vergleicht sich mit einem übergewichtigen Patienten, der akut mit Verdacht auch Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert wird. Der behandelnde Arzt hatte dem Patienten schon seit langem einen gesünderen Lebenswandel mit mehr Sport und weniger Essen nahe gelegt, jedoch vergebens. Soll der Arzt ihm nun die Notfalloperation und die nötigen Medikamente verweigern, nur weil der Patient vorher nicht auf ihn gehört hat? Ähnliches gilt für das angekündigte Hilfspaket durch die Regierung zur Stimulierung der Wirtschaft im Umfang von 150 Mrd. USD.

Was bedeutet dies alles nun für die Anleger? Solange die Verunsicherung und die Volatilitäten an den Finanzmärkten so hoch sind, ist eine ausgewogene Portfoliostruktur mit einer Vielzahl verschiedener Anlageklassen von besonderer Bedeutung. Denn zurzeit profitieren einzelne Rohwaren wie etwa Getreide oder Gold, hochqualitative Staatsanleihen und der Schweizer Franken. Die Stimmung kann auf der anderen Seite auch sehr schnell und unerwartet wieder drehen, wovon die zurzeit deutlich unterbewerteten Aktien wieder profitieren werden.

Quelle: Vontobel-Gruppe



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