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Der Preis des Verkehrs – und was auf keiner Rechnung steht

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Ob Tram, Bus oder Auto: Jedes Verkehrsmittel bringt Kosten für die Allgemeinheit mit sich (Bild: Universität Basel, Catherine Weyer).
Ob Tram, Bus oder Auto: Jedes Verkehrsmittel bringt Kosten für die Allgemeinheit mit sich (Bild: Universität Basel, Catherine Weyer).

Verkehr verursacht Kosten, die heute kaum sichtbar sind. Eine Studie der Universität Basel zeigt, wie solche externen Kosten verrechnet und die Einnahmen sozial verträglich zurückverteilt werden könnten.

Angelina Weber arbeitet in Pratteln. Fünf Tage pro Woche fährt sie von ihrem Wohnort in Oberwil mit dem Auto zur Arbeit und wieder zurück. Würde man ihr die Kosten, die für die Allgemeinheit entstehen, in Rechnung stellen, käme sie an einem Arbeitstag auf rund 4.50 Franken. Damit abgegolten wären unter anderem Kosten durch CO₂-Emissionen, Luftverschmutzung, Lärm, Unfallrisiken und Stau.

Das Beispiel von Angelina Weber ist fiktiv. Eine umfassende Bepreisung der externen Kosten des Verkehrs gibt es in der Schweiz bisher nicht.


Verursacherprinzip für Verkehr

Dass der Verkehr Kosten verursacht, die die Gemeinschaft tragen muss, ist bekannt. Die neue Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Beat Hintermann und seiner Forschungsgruppe zeigt nun aber, wie das Verhalten der Verkehrsteilnehmenden beeinflusst werden kann. Ihre Ergebnisse sind im Journal «Review of Economic Studies» erschienen.

Das Fazit: Eine relativ einfache Abgabe würde klimafreundlicheres Verhalten fördern und die Folgekosten für Gesundheit und Allgemeinheit senken. Und gleichzeitig Geld bereitstellen, um die Infrastruktur auszubauen.

Studie mit 3600 Autofahrenden

Der Ökonomie-Professor und sein Team untersuchten während acht Wochen das Verhalten von rund 3600 Personen aus urbanen Agglomerationen der Deutsch- und Westschweiz. Sie waren zwischen 18 und 65 Jahre alt und fuhren regelmäßig Auto. Mit einer Smartphone-App zeichneten sie ihre Mobilität auf.

„Pro Person und Jahr könnten etwa 1600 Franken zurückbezahlt werden.“

Beat Hintermann

Nach vier Wochen wurden die Teilnehmenden in drei Gruppen eingeteilt: Eine Kontrollgruppe erhielt weiterhin nur eine Übersicht über ihr Mobilitätsverhalten. Eine zweite Gruppe wurde zusätzlich darüber informiert, welche externen Kosten durch ihre Fahrten entstehen. Die dritte Gruppe erhielt dieselben Informationen und zusätzlich ein persönliches Budget. Von diesem wurden während vier Wochen die berechneten externen Kosten ihrer Fahrten abgezogen. Was am Ende übrig blieb, durften die Teilnehmenden behalten.

Informationen allein reichen nicht

Dabei zeigte sich: Zu wissen, welche Kosten die eigenen Fahrten verursachen, änderte am Verhalten der meisten Teilnehmenden wenig. Erst als die Kosten von einem persönlich zugeteilten Budget abgezogen wurden, fuhren sie weniger Auto und wichen häufiger auf andere Verkehrsmittel aus.

Um die Schweizer Bevölkerung nach diesem sehr genauen System zu besteuern, wäre der Aufwand allerdings groß. Hinzu kämen Datenschutzfragen, die mit einem lückenlosen GPS-Tracking verbunden wären. Die Modellrechnungen zeigen aber: In der Schweiz ließe sich ein großer Teil des gesellschaftlichen Nutzens auch mit einer viel einfacheren Lösung erzielen.

Am Ende des Jahres wartet eine Prämie

Statt jede einzelne Fahrt zu erfassen, könnten Abgaben an gut messbaren Größen ansetzen – etwa am Treibstoffverbrauch oder, bei Elektroautos, an gefahrenen Kilometern. Die Einnahmen könnten in einen Fonds fließen und ganz oder teilweise an die Bevölkerung zurückverteilt werden. «Wir schätzen, das pro Person und Jahr etwa 1600 Franken zurückbezahlt werden könnten», so Hintermann.

Was unsere Mobilität pro Tag kostet

Der Preis des Verkehrs – und was auf keiner Rechnung steht | Universität Basel


In Basel-Stadt kennt man ein ähnliches System schon beim Strom: Hier gibt es eine Lenkungsabgabe pro Kilowattstunde. Wer mehr Strom verbraucht, zahlt mehr in den Fonds ein. Am Ende des Jahres erhält jede Baslerin und jeder Basler den gleichen Betrag zurück. So profitieren jene Personen, die über das Jahr weniger Strom verbraucht haben.

Mit einer solchen Maßnahme werde man den Verkehr in der Schweiz wohl nicht grundsätzlich verändern können, sagt Hintermann. Viele Wege, etwa zur Arbeit, zur Schule oder zu Betreuungspflichten, lassen sich nicht einfach vermeiden. «Verkehr ist relativ unflexibel, da die Nachfrage nicht sehr elastisch ist»


Rückverteilung hilft vor allem einkommensschwachen Menschen

Gerade beim Autoverkehr zeigt sich das deutlich: Selbst wenn Autofahren teurer wird, steigen nur vergleichsweise wenige Menschen auf andere Verkehrsmittel um. Die Effekte sind messbar, aber begrenzt: Eine Erhöhung der Kosten für Auto fahren führt kurzfristig zu einer Reduktion an gefahrenen Auto-Kilometer im Umfang von 0,1–0,2 Prozent.


Alle leisten einen Beitrag: entweder über ihr Verhalten oder über ihr Portemonnaie.“

Prof. Dr. Beat Hintermann

Langfristig ist die Reaktion etwa doppelt so hoch. Durch die Abgabe entstünde aber ein finanzieller Anreiz, externe Kosten zu senken. Und wer sein Verhalten nicht anpasst, trägt über die Abgabe zum Verkehrswandel bei. «So leisten alle einen Beitrag: entweder über ihr Verhalten oder über ihr Portemonnaie», sagt Beat Hintermann.

Die Maßnahme hätte auch eine sozialpolitische Komponente. «Mit der Rückverteilung profitieren vor allem Menschen mit tieferem Einkommen, die sich Reisen weniger leisten können», so der Wirtschaftswissenschaftler.

Die meisten Teilnehmenden in Hintermanns Studie wollten übrigens nicht, dass ihnen ein allfälliger Gewinn aus einer solchen Abgabe direkt zurückbezahlt wird: «Der Großteil wollte, dass mit dem Geld der öffentliche Verkehr ausgebaut wird. Eigentlich eine erstaunliche Aussage von Menschen, die regelmäßig Auto fahren.» Erklärbar sei dies beispielsweise durch eine erwartete Entlastung der Straßen durch den öffentlichen Verkehr, welche auch den Autofahrern zugutekommt.



Originalpublikation

Beat Hintermann et al.
Pigovian Transport Pricing in Practice
Review of Economic Studies (2026), doi: 10.1093/restud/rdag051

>> Forschungsgruppe Prof. Dr. Beat Hintermann



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Quelle:
Universität Basel
unibas.ch

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