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AKW Gösgen: Gravierendes Sicherheitsrisiko seit langer Zeit

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Kernkraftwerk Gösgen | Foto: Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG
Kernkraftwerk Gösgen

Mangelhafte Bauteile und Fehleinschätzungen kommen nun ans Licht: Das AKW Gösgen steht wegen Sicherheitsmängeln still, die seit Betriebsbeginn bestehen und nicht adäquat behoben worden sind. Auch bei Beznau tauchten schon langjährige Mängel erst Jahre später auf. So ist fraglich, wie sicher der Überzeitbetrieb der AKW wirklich ist. Nur der Umstieg auf die Erneuerbaren kann uns vor solchen unbekannten Risiken schützen.

Nach Wochen voller Unklarheiten hat das Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI am 12. September 2025 mitunter auf Drängen der SES mehr Informationen zum Störfall im Atomkraftwerk Gösgen veröffentlicht. Der «Blick» berichtet heute darüber.

Mangelhafte Installationen mit gravierendem Sicherheitsrisiko

Wie der lange Ausfall des AKW Gösgen vermuten liess, handelt es sich um keine Lappalie: Das Speisewassersystem droht aufgrund von nicht genügenden Bauteilen den Extrembedingungen nicht standzuhalten: durch diese Rohre schiesst hocherhitztes Wasser unter mächtigem Druck zur Kühlung des Reaktors. Wenn ein Rohr bricht, kann laut ENSI nicht garantiert werden, dass das Kühlsystem im Reaktorblock hält. Der Reaktor könnte also überhitzen; eine Kernschmelze wäre die mögliche Folge.

Problem erkannt und nur mangelhaft behoben: Spiel mit der Sicherheit

Schlimmer noch: Aus der Kommunikation des ENSI geht hervor, dass diese Schwachstelle schon seit der Inbetriebnahme des AKW Gösgen besteht. In den 2000er-Jahren wurde der Mangel entdeckt, aber nur untauglich behoben, wie sich nun zeigt. Dies, obwohl der Einbau von tauglichen Bauteilen möglich gewesen wäre – und laut ENSI in anderen Kraftwerken standardmässig so gemacht wurde.
Dieser Vorgang wirft kritische Fragen auf: Warum wählte die Betreiberin nicht den sicheren Weg? Warum hiess die Aufsichtsbehörde dieses Vorgehen gut? Wurde diese gefährliche Technologie einfach im Glauben ans wohlgesinnte Schicksal in Betrieb gesetzt und bewilligt?

Hochrisikotechnologie mit unklarem Sicherheitslevel

Klar ist: von Atomkraftwerken geht keine hundertprozentige Sicherheit aus – und das mit potenziell gravierenden Auswirkungen. Auch beim AKW Beznau tauchten langjährige Mängel erst Jahrzehnte später auf (Montagefehler in der Notstromversorgung 2020 entdeckt).
Es stellt sich darum die generelle Frage: Welche Mängel werden noch übersehen oder unterschätzt?
«Wollen wir wirklich weiterhin auf diese Hochrisikotechnologie setzen, wobei das Sicherheitslevel nur vermutet werden kann?» fragt sich Stephanie Eger Leiterin Fachbereich Atomenergie der Schweizerischen Energie-Stiftung SES kritisch.

Überzeitbetrieb mit Mängeln und Risiken – auf sichere Alternativen setzen

Die AKW in der Schweiz befinden sich alle im Überzeitbetrieb. Neben möglichen Fehleinschätzungen nehmen Mängel und Gefahren auch altersbedingt zu. Die Schweiz soll nicht noch weitere Jahrzehnte mit diesem ungewissen Zustand auskommen müssen.
Unsere Sicherheit ist nur gewährleistet, wenn das Stromsystem rasch und vollständig auf Erneuerbare umstellt wird. Stephanie Eger von der SES verdeutlicht: «Auch eine Solaranlage oder eine Windturbine kann mal beschädigt sein, aber dann kommen nicht gleich das ganze Land und der halbe Kontinent in akute Gefahr.»


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Quelle:
SES | Schweizerische Energie-Stiftung
energiestiftung.ch

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