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Marktkommentar: Die Notenbanken vor dem Sündenfall?

Kategorie: Finanzen | Eingetragen am 10. Oktober 2007 um 14:41 Uhr

Kaum zuvor hat eine Leitzinssenkung einer Notenbank soviel Stoff für Diskussionen geliefert wie die Reduktion der US-Leitzinsen um 0.5 Prozentpunkte Ende September. Warum die ganze Aufregung?

Wir erinnern uns: Der ehemalige US-Notenbankchef Greenspan hatte mit dem Platzen der Technologieblase am 4. Januar 2001 einen bisher kaum dagewesenen Zinssenkungszyklus begonnen. Die Zinsen wurden von 6.5% auf 1% im Jahre 2003 gesenkt. Das hat ihm jetzt die Kritik eingebracht, massgeblichen Anteil an der aktuellen Kreditkrise zu haben. Denn die massive Hypothekarverschuldung derjenigen US-Haushalte, die sich eine Hypothek eigentlich gar nicht leisten können („subprime mortgages“), wäre ohne die tiefen Zinsen gar nicht zustanden gekommen. Nach der jüngsten Zinssatzsenkung durch den Nachfolger Greenspans – Ben Bernanke – kamen erneut Befürchtungen auf, dass durch die Zinssenkungen massiv Geld in die Wirtschaft fliessen könnte und so der Keim zu neuen Übertreibungen an den Finanzmärkten gelegt werden könnte.
In der Tat hat die US-Notenbank die Wirtschaft in der Vergangenheit öfters „reflationiert“, das heisst durch tiefe Zinsen viel Liquidität in den Wirtschaftskreislauf gegeben. Nebst der aktuellen Krise kann auf die frühen 80er Jahre verwiesen werden oder auf den ersten Irakkrieg Anfang der 90er Jahre, wo massive Zinssenkungen die Wirtschaft stimulierten und in der Folge jeweils die Saat zu neuen Übertreibungen gelegt wurde. Im ersten Fall war es der Börsenkrach 1987, im zweiten die Technologieblase Ende der 90er Jahre.

Diesmal allerdings erscheinen solche Befürchtungen verfrüht. Zum einen hat die Notenbank die Zinsen in einem Umfeld fallender Inflationsraten und einer sich abkühlenden Konjunktur gesenkt. Zudem erwarten wir nur noch eine, höchstens zwei Zinssenkungen bis Ende kommenden Jahres. Sollte das Fed entgegen dieser Erwartungen die Zinsen stärker senken, wäre die nächste Blase an den Finanzmärkten jedoch vorprogrammiert. Dies könnten dann Rohwaren und die Emerging Markets sein.
Im aktuellen Umfeld empfehlen wir nach wie vor ein moderates Übergewicht an Aktien, da sich mit Ausnahme der Banken die Unternehmensgewinne sehr gut entwickeln. Im Obligationenbereich empfehlen wir weiterhin unsere Fonds, welche eine sehr hohe Bonität aufweisen, was zurzeit besonders wertvoll ist.

Dr. Thomas Steinemann
Chefstratege der Vontobel-Gruppe
+41 (0)58 283 78 44

Quelle: Vontobel-Gruppe



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