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Erste Studie zu Crowdfunding im Kulturbereich in der Schweiz

Kategorie: Finanzen, Kultur | Eingetragen am 16. März 2016 um 17:53 Uhr

Mehr realisierte Projekte, mehr Unterstützer und mehr gesammelte Gelder: Crowdfunding ist im Hoch. Erstmals untersucht nun eine Studie, welchen Stellenwert und welches Potential die Schwarmfinanzierung, bei der übers Internet Gönner gesucht werden, für die Finanzierung von Kulturprojekten in der Schweiz hat. Bundesrat Alain Berset hat die verschiedenen Aspekte dieser neuen Finanzierungsform im Rahmen des heute in Bern stattfindenden Forums für Kultur und Ökonomie dargelegt.

In den letzten Jahren hat sich das Phänomen Crowdfunding stark entwickelt. Der weltweite Trend zur partizipativen Finanzierung lässt sich auch in der Schweiz beobachten: Allein im Kulturbereich wurden 2014 rund 4.5 Millionen Franken über Crowdfunding-Plattformen gesammelt. Neben der Möglichkeit, durch Beiträge privater Unterstützer kulturelle Projekte zu finanzieren, besticht Crowdfunding vor allem durch die intensive Interaktion zwischen Kulturschaffenden und dem Publikum. Dies erleichtert nicht nur Vermarktung und Vertrieb von kulturellen Gütern und Leistungen, sondern ermöglicht Kulturinteressierten, aktiv am Entstehungsprozess des Projekts teilzuhaben und ein fundiertes Bewusstsein für Kulturschaffen zu entwickeln.

Durch die Begünstigung privater Kulturfinanzierung trägt Crowdfunding zur Vielfalt des Kulturangebots in der Schweiz bei. Ob als Ergänzung der Kulturförderung der öffentlichen Hand, bei Kleinprojekten oder als Multiplikator: Crowdfunding schafft neue Möglichkeiten des Zusammenwirkens von privater und öffentlicher Finanzierung. Folglich besteht auf Seiten der Politik und der Kulturförderung grosses Interesse, mehr zu erfahren über die Bedeutung von Crowdfunding im Kulturbereich in der Schweiz. Die von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und dem Bundesamt für Kultur in Auftrag gegebene Studie der Hochschule Luzern – welche jährlich einen Schweizer Crowdfunding-Monitor veröffentlicht – leistet auch im internationalen Vergleich Pionierarbeit.

Die Studie wurde heute in Bern am Forum für Kultur und Ökonomie präsentiert, wo sich jedes Jahr öffentliche und private Unterstützer aus dem Kulturbereich austauschen. Zudem veranstalten die Kulturstiftung Pro Helvetia und das Bundesamt für Kultur am 2. Juni 2016 im Stadtmuseum Aarau ein Symposium zum Thema Crowdfunding in der Kultur. Ergebnisse der Crowdfunding–Studie werden dort in Bezug zu Praxisbeispielen aus dem In- und Ausland gesetzt. Bedeutung und Mehrwert von Crowdfunding in der Kultur werden diskutiert und an einer Podiumsdiskussion soll ausserdem erörtert werden, welche Formen der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand, privater Kulturförderung und Crowdfunding Zukunftspotential aufweisen.

Die heute publizierte Studie zu Crowdfunding im Kulturbereich zeigt, dass 2014 im Kulturbereich rund 4.5 Millionen Franken über Crowdfunding-Plattformen gesammelt wurden. Mit 216 erfolgreichen Projekten und einer Summe von knapp 1.5 Millionen Franken wurde am meisten Geld in der Kategorie «Musik, Konzerte, Festivals» vermittelt. Die durchschnittlich erzielte Kampagnensumme ist stark von der Sparte abhängig: Während sie in der genannten Kategorie 6‘800 Franken beträgt, sind es in der Sparte «Software, Games» beispielsweise 48‘000 Franken, was auf tendenziell grössere und kapitalintensivere Projekte hindeutet. Im Durchschnitt reichen bereits 56 Unterstützende für die erfolgreiche Finanzierung einer Crowdfunding-Kampagne. Entscheidend für den Erfolg ist die Mobilisierung von Unterstützenden von Anfang an: Die untersuchten Kampagnen, welche nach einem Drittel der Finanzierungslaufzeit 40 Prozent ihrer Zielsumme erreicht haben, sind in 98.8 Prozent aller Fälle erfolgreich.

+ Studie Crowdfunding im Kulturbereich
+ Definition Crowdfunding

Quelle:
Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung
prohelvetia.ch

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Management Summary
Studie: Crowdfunding im Kulturbereich

www.hslu.ch/crowdfunding

Im Auftrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und des Bundesamts für Kultur hat die Hochschule Luzern – Wirtschaft zum ersten Mal eine Analyse des Schweizer Crowdfunding-Markts im Kulturbereich durchgeführt. Neben der Erhebung von Marktvolumen und Marktteilnehmern wurden auch Kooperationen sowie für Kulturprojekte typische Charakteristiken identifiziert. Methodologisch baut die Studie auf drei Ansätzen auf: Umfrage bei allen Schweizer Crowdfunding-Plattformen, Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern von Kulturförderstellen sowie statistische Analysen sämtlicher zwischen 2012 und 2015 auf der Plattform wemakeit lancierten Kampagnen für Kulturprojekte. Die Studie soll damit wertvolle Informationen zu Crowdfunding für öffentliche und private Kulturförderer, für Kulturschaffende sowie für Crowdfunding-Plattformen bereitstellen.

Bereits heute ist Crowdfunding eine relevante Finanzierungsquelle für Kulturprojekte. Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz für Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft rund CHF 4.0-4.5 Millionen vermittelt. Ein Grossteil davon (CHF 3.4 Mio.) entfällt auf die drei Kategorien „Musik, Konzerte, Festivals“, „Film, Video“ und „Kunst, Bilder, Gemälde“. Zwar mag dieser Wert in absoluter Grösse noch tief scheinen. Gemessen an der Anzahl erfolgreicher Kampagnen ist die Wirkung von Crowdfunding jedoch durchaus beachtlich. So wurden beispielsweise 2014 im Bereich „Musik, Konzerte, Festivals“ insgesamt 216 Projekte erfolgreich finanziert. Zudem ist bei diesen Zahlen zu beachten, dass Crowdfunding im Kulturbereich – neben bereits bestehenden Finanzierungskanälen von privaten oder öffentlichen Kulturförderstellen – vielfach nur eine ergänzende Rolle spielt.

Die Vorteile von Crowdfunding gehen weit über die Finanzierung im engeren Sinn hinaus. Crowdfunding ist auch ein Marketing- und Vertriebskanal. Projektinitianten erhalten Aufmerksamkeit, können Netzwerke aufbauen und sich mit Projektunterstützenden austauschen. Als Finanzierungsinstrument bieten sich für Kulturschaffende nicht nur das in diesem Bereich prädestinierte Crowdsupporting (reward-based Crowdfunding) an, sondern auch Crowddonating, -investing und -lending.

Betrachtet man die geografische Verteilung von Projekten und Projektunterstützenden in der Schweiz, so zeigt sich, dass Crowdfunding in urbanen Regionen häufiger eingesetzt wird. Drei Viertel aller Projekte stammen aus urbanen Regionen. Auffällig sind die sehr geringen Distanzen zwischen dem Standort von Projektinitianten und Unterstützenden. Obwohl das Internet eigentlich keine geografischen Grenzen kennt, sind die meisten Projekte stark lokal verankert. Für die erfolgreiche Lancierung einer Crowdfunding-Kampagne reichen im Durchschnitt bereits 56 Unterstützende. Dies hat zur Folge, dass nicht nur Mainstream-Projekte mit breiter Unterstützungsbasis Erfolg haben, sondern auch solche mit „Nischen-Themen“. Entscheidend für den Erfolg einer Kampagne ist zudem die Mobilisierung von Unterstützenden von Anfang an. Die durchschnittliche Finanzierungssumme via Crowdfunding beträgt CHF 7‘076, wobei dieser Wert sehr heterogen ist und stark von der Kultursparte abhängt. Die untersuchten Kampagnen, welche nach einem Drittel der Finanzierungslaufzeit bereits 40 Prozent ihrer Zielsumme erreicht haben, sind in 98.8 Prozent aller Fälle erfolgreich.

Crowdfunding ist für alle beteiligten Parteien im Kulturbereich eine Chance. Projektinitianten bietet sich neben den etablierten öffentlichen und privaten Förderwegen ein alternativer Finanzierungs- und Vermarktungskanal. Für Kulturförderer bieten Crowdfunding-Plattformen als Sammelgefässe von Projektideen einen spannenden Einblick in neu lancierte Kulturprojekte. Und für Projektunterstützende besteht die Möglichkeit, sich mit Kulturschaffenden auszutauschen und Zugang zu Leistungen und Produkten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft zu erhalten.

Autoren:
Simon Amrein, Prof. Dr. Andreas Dietrich,
Christoph Duss, Reto Wernli

www.hslu.ch/crowdfunding



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